Rezensionen zu zugelosten Leseexemplaren

Seit einiger Zeit haben wir einen Account bei LibraryThing, seit kurzem bin ich bei Was liest du?, dem Magazin der Mayer'schen aktiv. Auf beiden Seiten kann man Freiexemplare von Büchern gewinnen, gewünscht wird dann im Gegenzug eine Rezension.

Also habe ich im Januar 2015 erstmals mein Glück versucht - und die Glücksfee war mir auch gleich hold.

LibraryThing

Hier gibt es für Teilnehmer aus Deutschland wohl überwiegend nur ebooks zu gewinnen - der Versand von gedruckten Büchern würde auch relativ lange dauern und wäre auch mit erhöhten Kosten verbunden.

The Nightingale Circus

Ioana Visan

Die Beschreibung des Buches hatte mich neugierig gemacht:

Don’t be shy and come inside! The Nightingale is waiting to take flight!

Welcome to The Nightingale Circus! Listen to the singer with an enchanting voice. Watch the knife throwers who are also prosthetic builders. Here is a telecharger on the run and a ballerina with no lungs. There is a broken pole dancer and an Asian bot. You’ll be amazed by a regular girl who becomes exquisite and frightening at the same time.

They’re better known as the famous Nightingale, the Blade Masters, the Magician, the Swan, the Firebird, the Rocket Girl, and the Golden Lady.

They are all waiting to tell you their story about how they came to the circus and why they stayed.

This is a companion short story collection to Broken People.

Zwar hatte ich bislang noch nichts von Ioana Visan gelesen, aber die Leseprobe zu „Broken People“ war auch vielversprechend, so dass ich mir auch vorstellen konnte, den Roman zu kaufen, falls der Companion als einzelstehendes Werk nicht funktionieren würde.

Nach dem ersten Drittel kann ich aber schon sagen: Auch ohne „Broken People“ gelesen zu haben funktionieren die Geschichten gut - vielleicht sogar besser, weil alles noch neu ist.

Entsprechend der Beschreibung gliedert sich die Kurzgeschichtensammlung in die Abschnitte:

  • The Nightingale (Cielo)
  • The Blade Masters (Rake, Spinner)
  • The Magician (Nicholas)
  • The Swan (Anya bzw. Anastasia Anatolievna Semenova)
  • The Firebird (Riella)
  • The Rocket Girl (Fei Lin)
  • The Golden Lady (Aurore, not part of the circus)

Die Geschichten spielen in einer Welt, die sowohl magische Elemente zulässt als auch über technische Implantate die Leistungsfähigkeit von Menschen zu ihren Gunsten verändert. Jede Geschichte hat den genannten Protagonisten im Fokus, da aber alle im Zirkus arbeiten, gibt es durchaus Überschneidungen.

Inhaltlich steht eigentlich alles schon in der Buchbeschreibung, alles weitere wäre ein Spoiler.

Damit: Klare Leseempfehlung für alle, die ein Faible für Geschichten mit Fantasy-/SciFi-Elementen haben.

Catch the Jew!

Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom lebt in Amerika, wuchs aber in Israel in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde auf. Er spricht hebräisch, arabisch, englisch und wohl auch etwas deutsch. Vom Aussehen her geht er in Israel als Deutscher durch (Tobi the German), was er in vielen Gesprächssituationen ausnutzt, um möglichst unverfälschte Aussagen seiner israelischen oder palästinensischen Gesprächspartner zu erhalten. Es handelt sich hier also nicht um einen Roman, sondern um einen Erlebnisbericht.

In 55 Erzählungen beschreibt er seine Erlebnisse mit Gesprächspartnern aus allen Gesellschaftsbereichen - seien es Araber, Juden oder Christen, seien es Israelis oder Europäer, seien es Prostituierte, Intellektuelle, Hilfsorganisationen oder Parlamentsabgeordnete.

In allen Gesprächen bleibt er kritisch und hakt gerne nach, auch durch Präsentation gegenteiliger Fakten, häufig durchaus zum Missfallen seiner Gesprächspartner. Je nach Gesprächspartner wird er dadurch mal in die offensive rechte Ecke gesteckt oder als linker Aufrührer eingeschätzt.

Für mich wurde beim Lesen sehr deutlich, dass der Israel-Palästina-Konflikt von keiner Seite, sei es von innen oder außen, neutral analysiert werden kann. Dennoch beziehen die (westlichen) Medien sehr deutlich Stellung für die palästinensische Seite und suchen (und finden) dann auch die belegenden Bilder - wobei sich die Situation bei kritischer Betrachtung auch anders darstellen kann. Das gemeinsame Leben von Juden und Arabern war nicht zu finden.

In den 55 Texten wurde für mich deutlich, dass es „ein Volk Israel“ nicht gibt, sondern viele kleine Gruppierungen, die häufig ganz unterschiedliche Ansichten haben und nicht seltem dem Staat Israel kritisch gegenüberstehen, selbst als Nutznießer.

Was mir fehlte war eine Pointierung. Die 55 Texte stehen mehr oder weniger nebeneinander, die Aussagen fangen nach dem ersten Drittel durchaus an, sich zu wiederholen. Dadurch wurde das Lesen etwa ermüdend. Andererseits erhält man so in den Texten einen Einblick in das jeweilige Tagesgeschehen und kann sich seine eigenen Gedanken dazu machen.

Im Epilog beschreibt Tuvia Tenenbom seine Gefühle:

„Witnessing the tremendous investments and endless attempts of the Europeans, not to mention the Germans, all geared to undermine the Jews in this land, in Israel, was an extremely unsettling experience. Being showerd with love by the Arabs, jsut because they thought I was an Aryan, a German, was very discomforting. Watching the Jews and seeing how powerless they are, even now that they have their own state, was distressing.

If logic is any guide, Israel will not survive. Besieged by hate from without and from within, no land can survive for very long.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Fazit: Ein sehr interessanter Einblick vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts und damit eine klare Leseempfehlung, auch wenn ich mir Kürzungen an der einen oder anderen Stelle gut hätte vorstellen können.

The Harbingers of Light #2, #4

Travis Simmons

Book Two: The Darkling Tide

'The Darkling Tide' (107 Seiten) ist nach 'A Plague of Shadows' (107 Seiten) der zweite Teil der 'The Harbingers of Light'-Serie von Travis Simmons.

Der Plot bleibt spannend, ganz allmählich baut sich ein Gefühl des Misstrauens auf und jeder der drei Protagonisten (Abagail, Leona, Rodrick) muss mit seinen eigenen Gefühlen kämpfen. Rodrick bleibt in der Charakterentwicklung relativ blass, Abagail und Leona dagegen lernt man als Leser besser kennen. Im Vergleich zum ersten Teil hat der zweite die eine oder andere Länge, anderes habe ich dann doch vermisst (an einer Stelle wird Abagail gebissen, muss aber fliehen - dann wird mehrfach davon gesprochen, dass die Wunde zu reinigen sei, das war es dann aber auch). Zwar werden einige Scharmützel im Kampf „Licht gegen Dunkelheit“ überwunden, wirklich voran kommt die Geschichte aber nicht. Das nächste große Ereignis ist angekündigt, wird aber erst im dritten Teil erzählt werden.

Trotz aller Kritik liest sich die Geschichte aber gut und entwickelt den ewigen Kampf „Licht gegen Dunkelheit“ mit neuen Ideen. Gut gefällt mir dabei, dass die keine der handelnden Personen eindeutig dem Licht oder der Dunkelheit zuzuordnen ist (die Angreifer sind bislang jedoch eindeutig der Dunkelheit zuzuordnen).

Schade ist nur, dass sich weder beim ersten noch beim zweiten Teil ein „Buchgefühl“ einstellen will - das „Buch“ ist hier eher „The Harbingers of Light“, das in mehreren Teilen (aber eben nicht in abgeschlossenen Geschichten) veröffentlicht wird.

Book Four: The Chosen of Anthros

'The Chosen of Anthros' setzt die Harbingers of Light-Reihe fort.

Abagail, Leona und Rodrick sind nun in New Landanten/Haven bei den Harbingers of Light angekommen und ihr Training beginnt (das kommt für mich im Text allerdings etwas zu kurz). Neue Kontakte bilden sich und die Wege der drei trennen sich etwas, da jeder von einem anderen Harbinger trainiert wird. Auch wird deutlich, dass hinter Leona und Abagail offensichtlich mehr steckt, als selbst diesen beiden Charaktären zunächst über sich bewusst wird.

Die Geschichte schließt nahtlos and die ersten drei Bände an und führt nun in das Leben der Harbingers in Nachbarschaft zu den Elfen ein (da hat dann auch ein wenig Romanze ihren Platz). Zum Ende hin gibt es dann eine dramatische Entwicklung - die dann den Cliffhanger zum nächsten Band bildet.

Insgesamt ist die Geschichte meiner Meinung nach stimmig weiterentwickelt worden, auch bleibt sich Travis Simmons dabei treu, in Bezug auf Licht/Dunkelheit mit Grauschattierungen zu arbeiten.

Im Vergleich zu den ersten drei Bänden wäre dann meine Erwartung, dass dieser Handlungsbogen erst in einem sechsten Band abgeschlossen wird.

The Triadine Saga, #1: The Watcher's Keep

Timothy Bond

Die Geschichte um das Geschwisterpaar Alexandra und Peter, die von ihrer besonderen Rolle zunächst noch nichts wissen, ist in viele relativ kurze Abschnitte unterteilt. Der Autor springt dabei zwischen verschiedenen Handlungsebenen hin und her - manchmal erhält man dann schon einen Einblick in das Geschehen eines folgenden Kapitels, jedoch immer aus der Sicht eines Beobachters.

Die drei großen handelnden Gruppen sind Menschen, Elfen und Zwerge, alle bedroht durch einen mächtigen Magier, der die Weltherrschaft wieder erlangen will und sich dafür seine eigene Armee aus Orks, Goblins und hörigen Menschen heranzüchtet.

Es gab eine Zeit, in der Elfen und Zwerge mit den Menschen zusammengelebt haben, seit dem „großen Bruch“ haben sich die mythischen Völker aber zurückgezogen und die alten Mythen gelten im Königreich als Blasphemie.

Die Triadin-Saga ist als großes episches Abenteuer angelegt, und damit ist auch gleich mein erster Kritikpunkt verbunden: Der erste Teil dient natürlich dazu, in die Geschichte und die Welt der Saga einzufügen und die Protagonisten vorzustellen. Aber da die Geschichte episch und detailverliebt angelegt ist, zieht sich das beim Lesen streckenweise ganz schön. Dazu kommt, dass es eine große Zahl an handelnden Personen gibt - ich bin auf ca. 45 gekommen, die (bislang) alle eine mehr oder weniger wichtige Rolle gespielt haben und viele werden auch in den kommenden Teilen eine wichtige Rolle spielen.

Nichtsdestotrotz lässt sich jedes der insgesamt 109 Kapitel sehr gut lesen, die Geschichte als solche ist interessant angelegt und wartet immer wieder mit netten und so noch nicht gelesenen Wendungen auf (wenn auch die Geschichte insgesamt die bekannten Pfade der Abenteuer-Mittelalter-Fantasy-Welt nicht allzu weit verlässt, dennoch aber eine wohldurchdachte und ganz eigene Welt erschafft). Nur manchmal hätte ich mir gewünscht, einen der Protagonisten für längere Abschnitte am Stück zu begleiten - spätestens als alle ihre eigenen Wege gehen dauert es ganz schön, bis man zu einem zurückgelassenen Handlungsstrang zurückfindet. Aber auch hier ist dem Autor zu Gute zu halten, dass man mit jedem Kapitel sofort wieder Bescheid weiß, wo man ist, wen man begleitet und was davor geschah (ohne, dass Ereignisse im Text wiederholt werden). Ich stelle es mir eine nicht ganz leichte Aufgabe vor, beim Schreiben solch einer Saga den Überblick zu behalten - was gelungen ist, mir sind zumindest keine Anschlussfehler aufgefallen.

Für Fantasy-Fans in der Tradition der großen 'Queste' auf jeden Fall eine Empfehlung - Leseausdauer sollte aber vorhanden sein.

Um mein zweiter Kritikpunkt ist eigentlich keine wirkliche Kritik, aber wer eine abgeschlossene Geschichte erwartet, liegt falsch. Das heißt, am Besten gleich den zweiten Band (The Dragon Rises) mitkaufen, um ohne Unterbrechung weiterlesen zu können (wem die Geschichte wie mir gefallen hat, wird das am Ende wollen).

Und da ich als Beta-Reader schon die Gelegenheit hatte, das demnächst erscheinende Prequel (Prophecy's Queen) zu lesen, kann ich nur empfehlen, damit nicht bis zum Ende dieses ersten Bandes der Saga zu warten sondern es vielleicht als erstes zu lesen - es ist hilfreich, um die Zusammenhänge zu verstehen.

The Giant of Inishkerry (The Second Book of the Painter)

Sheila Gilluly

The Giant of Inishkerry ist der zweite Band der Painter-Reihe. Wie der erste Band wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive des Painters erzählt, hier aber mehr in der Form einer Echt-Zeit-Erzählung, wohingegen im ersten Band manchmal auch Bemerkungen vorkamen, die deutlich machten, dass der Erzähler die Geschehnisse nacherzählt.

Spielte der erste Band an Land, so spielt der zweite überwiegend auf See, auf dem Schiff des schon im ersten Band eingeführten Piraten Timbertoe, der logistisch den Rachefeldzug des Painters unterstützt.

Wie beim ersten Teil schon hat mich die lebendige, manchmal humorvolle, fast immer spannende und dichte Erzählung in ihren Bann gezogen. Nur einzelne Passagen sind dann doch für meinen Geschmack durch die detaillierte Beschreibung zu lang geraten.

Im Gegensatz zum ersten Band empfinde ich das Ende des zweiten Bandes eher als Cliffhänger - so hoffe ich, dass ich, wie bei diesem Band schon geschehen, auch für den dritten Band den Zuschlag als Early Reviewer bekomme, um bald zu wissen, wie es weitergeht.

Klare Leseempfehlung für alle, die Spaß an spannenden Piraten-Abenteuer haben, bei denen auch das weibliche Geschlecht gut wegkommt. Da aber die Geschehnisse des ersten Bandes die Grundlage für die Weiterentwicklung der Geschichte im zweiten Band bilden (auf die sich auch häufig bezogen wird), wäre es sehr zu empfehlen, die Reihe mit dem ersten Band zu beginnen.

The Emperor of Earth-Above

Sheila Gilluly

Ravensblood #1, #2

Shawna Reppert

Ravensblood

Ich muss zugeben, zunächst war ich erst mal sehr irritiert und hatte das Gefühl, aus Versehen den (mindestens) zweiten Band einer Reihe begonnen zu haben, da man unvermittelt mitten in die Geschichte gestoßen wird, gleichzeitig aber von Anfang an Bemerkungen in Bezug auf die Vergangenheit der Protagonistin Cass auftauchen. Zum Glück wird dem Leser dann ab dem zweiten Kapitel Gelegenheit gegeben, die Vorgeschichte der Protagonistin Stückchen für Stückchen zu erfahren.

Dafür, dass die Geschichte dem Genre der Urban Fantasy zuzurechnen ist, kommt sehr wenig der „normalen“ Welt in der Geschichte vor - deren Gesellschaft sich zwar in Arts, Crafts und Mundane teilt, deren Handlung sich aber nahezu ausschließlich im Bereich der Magier (also Arts) abspielt - und hier geht es, wie bei solchen Geschichten fast üblich, um den Kampf des Lichts gegen die Dunklen Künste. Sehr positiv fand ich dabei, dass von Anfang an deutlich wird, dass auch Licht-Magier eine dunkle Vergangenheit haben können oder auch, obwohl zum Licht gehörend, ziemlich fiese Charaktäre sein können.

Der Hauptstrang der Geschichten entwickelt sich relativ schnell zu einer Art Agentenstory, gewürzt mit etwas Liebe (hier ist noch positiv zu erwähnen, dass die männlichen und weiblichen Haupt- und Nebendarsteller sehr ausgewogen in ihren Fähigkeiten dargestellt werden) und auf jeden Fall mit sehr viel Spannung - als Einschlaflektüre war der Roman für mich nicht geeignet.

Daher: klare Leseempfehlung für alle, die eine äußerst spannende Geschichte lesen wollen und ein wenig Magie dabei nicht abgeneigt sind.

Raven's Wing

Die Fortsetzung von Ravensblood hat es in sich - war es im ersten Band vorwiegend die Spannung eines Spionagethrillers, hat man es hier jetzt mit dem (vermeintlich) normalen Leben nach dem gewonnnen Kampf zu tun - und das bietet viele Möglichkeiten, die Charaktäre auszuformen. Sehr gut hat mir dabei gefallen, dass alle Personen ihre Ecken und Kanten und auch ihre Vergangenheit haben, keine blass bleibt (bis auf Mother Crone vielleicht). Sehr angenehm, dass es keine schwarz-weiß-Malerei gibt, sondern den Grautönen viel Raum gegeben wird.

Die Vorurteile gegen Raven von höchster Stelle führen dazu,dass er wieder zu den Gesuchten gehört - mit dem Unterschied zum ersten Band, dass er diesmal kein Einzelkämpfer mehr ist. Und die Story bietet diesmal viel Raum, den „Urban“-Teil dieser Urban Fantasy auszubauen. Ich habe mich an vielen Stellen köstlich amüsiert.

Gleichzeitig kam die Spannung auch hier nicht zu kurz - gerade im letzten Drittel wurde es schwar, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Ich freue mich auf den dritten Teil - viel deutlicher als hier kann ein Cliffhänger nicht sein.

Klare Leseempfehlung - aber es ist anzuraten, mit dem ersten Band zu beginnen.

Genesis Girl

Jennifer Bardsley

Eine gut durchdachte und spannende Geschichte, die sich schnell in eine zunächst unerwartete Richtung entwickelt.

Blanca wächst, abgeschirmt von der sehr technologisch orientierten Gesellschaft, in einem Heim für sogenannte Vestals auf. Ohne Internetzugang, vor allem ohne jegliche Datenspur im Internet - die Privatsphäre bedeutet den Vestals alles. Kurz vor ihrer Abschlussprüfung wird sie jedoch zusammen mit ihrer Freundin auf dem Gelände des Internats, Tabula Rasa, von einem Paparazzi („Virus“) erwischt; Blanca schirmt dabei ihre Freundin ab, ein Bild von ihr gelangt aber ins Netz. Normalerweise bedeutet das das Ende der Karriere als Vestal, hier bringt es Blancas Geschichte erst richtig ins Rollen.

Als Leser wird man im Prinzip mitten in die Geschichte hineingeschmissen, erst nach und nach erschließt sich die Gemeinschaft der Vestals, bei denen die weiße Kleidung dann doch bei genauerem Hinsehen nicht ganz die (weißen) Seelen der Vestals darstellen kann… Und wenn sich erstmal jemand daran macht, die Brüche im System zu finden, so wird er in der Regel auch fündig.

Im Gegensatz zu den Vestals ist der normale Mensch in dieser Geschichte im Prinzip dauernd online - per Implantat. Und auch die Tattoos haben sich durchgesetzt, so dass sich auch hier eine deutliche weiß - schwarz - Zeichnung findet. Schön, dass im Laufe der Geschichte so einige Grautöne dazukommen.

Klare Leseempfehlung!

Was liest du?

Regelmäßig werden über die Mayer'sche Leserunden mit von den Verlagen zur Verfügung gestellten (Vorab-)Exemplaren neuer Romane veranstaltet. Man kann sich um die Teilnahme bewerben (was ich bislang gesehen habe melden sich mindestens 10 Interessenten pro Buch) und dann wird gelost.

Direkt beim ersten Versuch war die Glücksfee mir hold :-)

Changers: Drew

T. Cooper, Allison Glock

Cover

Das Cover weckt bei mir Neugierde auf den Inhalt - nicht nur die Köpfe, auch die Schrift des „Titels“ zeigen eine Dynamik an. Hinter dem Klappentext auf der Buchrückseite ist dann nur noch ein Schatten zu sehen - Ethan oder Drew?

Das Buch ist für mich auch haptisch sehr ansprechend - die Leitfrage, „Weißt du, wer du morgen bist?“ ist glänzend und glatt vom Rest des Covers abgesetzt.

Das gewählte Grün als Hintergrundfarbe hat für mich etwas beruhigendes - hell genug, um die Schatten wirken zu lassen und dunkel genug um nicht grell zu sein. Da es hier ja der 1. Teil einer mehrbändigen Reihe ist, vermute ich aber, dass die nächsten Bände in ihrer Hintergrundfarbe wechseln.

Abschnitt 1

So, der erste Teil ist gelesen. Als Leseprobe hätte ich nach den ersten Seiten vermutlich die Finger davon gelassen, da mich die pubertäre Sprache doch reichlich genervt hat (in der Englischen Version empfinde ich es nicht so penetrant). Aber zum Glück wird das ja im Laufe des Textes besser.

Mit Ethan/Drew wird man mitten ins Unbekannte gestoßen: Warum wechselt die Persönlichkeit (bzw. wechselt sie wirklich? Ethan bleibt ja auch als Drew noch ganz schön stark in Ethans Gedankenwelt verhaftet, es stellt sich also eher wie ein Körperwechsel dar), warum wechselt sie gerade am 1. Schultag (einen Tag früher, und es wäre Zeit für eine neue Garderobe und die Changers-Bibel zu lesen sowie eine entspannte Kontaktaufnahme zum Advokaten), welche besonderen Fähigkeiten soll so ein Changer besitzen, warum erhält ein Changer mit dem neuen Körper nicht auch ein rudimentäres Gedächtnis in Bezug auf Dinge, die das andere Geschlecht betreffen?

Wenn denn die Changer-Fähigkeit so ein großes Geheimnis bleiben soll, warum werden sie dann gebrandmarkt? Wie passt das Geheimnis mit dem inoffiziellen Changers-Treff im Second-Hand-Laden zusammen?

Wieso scheinen sich die anderen Schüler/innen in Drews Kursen schon zu kennen - 1. Tag Highschool müsste doch für alle der 1. Tag sein (o.k., einige werden sich aus der örtlichen Middle School kennen)? Und wie kann Chloe aus Drews Kurs dann schon in der Schulmannschaft Cheerleading sein?

Und schließlich: warum passt Drew sich so an und behält nicht ihren eigenen Stil (hier könnte natürlich ins Spiel kommen, dass sich zuerst der Körper ändert und die Persönlichkeit sich dem dann allmählich anpasst).

Fragen über Fragen - aber nichtsdestotrotz ein, nach den ersten Seiten, sehr gut lesbarer Text mit guten Einfällen in Bezug auf den Geschlechtswechsel und einem guten Spannungsaufbau.

Darum: ich bin gespannt, wie es weitergeht. Vielleicht werden ja im weiteren Verlauf mit dem ersten Changers-Treffen oder dem weiteren Studium der Changers-Bibel manche Fragen schon beantwortet.

Abschnitt 2 (ab S. 103)

Im Mittelteil der Geschichte wurde mir erst richtig bewusst, dass die Erzählperspektive ja allein Drews Sicht der Dinge ist, da wir ihre Chronik (in Auszügen) lesen. Die einzelnen Abschnitte sind auch immer recht übersichtlich, teilweise sogar nur eine halbe Seite lang. Da Drew bei der Changers-Konferenz wohl stärker mit ihrem Gefühlsleben als mit den Seminarinhalten beschäftigt war, erfährt man hier als Leser auch nur sehr wenig. Wichtigstes neues Puzzleteil sind die Gegenspieler der Changers, die Getreuen, vor denen gewarnt wird (kaum überraschend, dass diese dann auch in Drews Umgebung auftauchen und nicht gerade als Sympathieträger gezeichnet sind). Allerdings stellt sich auch die Gemeinschaft der Changer nicht ganz so „Alle sind eins“ dar, wie vom Rat der Changers gewünscht - Vergleiche mit Sektenstrukturen drängen sich auch mir hier auf. Und dann ist da noch die Sache mit dem Küssen.

War im ersten Teil Cheerleading die Freizeitbeschäftigung, über die Drew berichtete, so ist es nun das Schlagzeug-Spielen in einer Band, deren Gitarrist ebenfalls ein Changer ist. Da über Cheerleading nichts mehr berichtet wird, ist es wohl für die Fortentwicklung der Handlung erstmal nebensächlich.

Mein Eindruck ist, dass Drew weiterhin versucht, ihren eigenen Weg zu finden, dabei aber nicht allzuweit von den vorgegebenen Pfaden abweicht.

Äußerst blass bleiben Drews Eltern - auch das wohl wieder Drews Teenager-Perspektive geschuldet.

Die Handlung nimmt schließlich deutlich an Fahrt auf (so dass ich auch schon bis S. 234 gelesen hatte) - einige Karten sind auf dem Tisch, manche sind noch halb verborgen - bin gespannt, was sich alles noch im ersten Band entwickelt.

Abschnitt 3 (ab S. 214)

Im dritten Abschnitt geht es nach meinem Empfinden um die Liebe in all ihren Variationen - dabei kommt es dann auch zum _Kuss_. Drew geht durch ein Wechselbad der Gefühle, wechselt wieder das Hobby (jetzt: Hürdenlauf), kommt in „Teufels Küche“, erlebt das Eingreifen des Rats der Changer und muss sich entscheiden, wie weit sie den Vorgaben wirklich folgen will. Insgesamt wird sie als Persönlichkeit für mich greifbarer. Ihre Erkenntnis, dass ständige Veränderung jeden betrifft, egal ob Konstanter oder Changer, ist für mein Gefühl dann aber fast schon zu erwachsen.

Durch den Tagebuchstil habe ich immer wieder den Eindruck, dass vieles nur angerissen wird, manchmal würde ich mir weniger „Blitzlicht“, dafür mehr „Ausleuchtung“ wünschen. Aber wie schon zum zweiten Teil gesagt, ist das dem Schreibstil geschuldet. Interessanterweise ist die (digitale) Changers-Chronik wohl in der Lage, auch gelesene Briefe und betrachtete Fotos mit aufzunehmen…

Der dritte Teil rundet die Geschichte (so das denn in einem ersten von vier Bänden überhaupt möglich ist) meiner Meinung nach recht gut ab - die Beziehungsebenen (bis auf die zu Ethans altem Kumpel Andy) scheinen erstmal geklärt. Durch die zum neuen Schuljahr anstehende Veränderung (Change 2) bleibt es aber spannend, wie an die alten Beziehungen angeknüpft werden kann.

Gesamtbewertung

Ich bin bei dieser Geschichte deutlich zweigeteilt: Die Idee, sich und seine Mitmenschen durch den Körpertausch aus einer vollständig neuen Perspektive zu erleben, gefällt mir sehr gut. Mit der Umsetzung im Tagebuchstil hadere ich etwas, auch wenn ich zugeben muss, dass der Stil zur Anlage der Geschichte gut passt.

Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen, die Gemeinschaft der Changer, der zu durchlaufende Zyklus und die Bedrohung von außen (sei es auf persönlicher oder gemeinschaftlicher Ebene) werden eingeführt. Einige durchaus witzige Momente und manche eher unerwartete Wendungen (dadurch, dass nicht alle Chronik-Tage im Buch erfasst sind) erhalten die Neugier auf den Fortgang der Geschichte.

Für mich sortiere ich die Geschichte unter „gute Ferienlektüre“ ein - der erste Band hat mich definitiv neugierig auf die Fortsetzung gemacht (die ich dann aber wohl im Original lesen werde), in die Kategorie „Lieblingsbuch“ wird es diese Reihe aber wohl nicht schaffen.

Tochter des Drachenbaums

Susanne Aernecke

Cover

Das Cover, im Grundton beige, hat mich sofort neugierig gemacht, weil es vergleichsweise schlicht gehalten ist. Im abgebildeten Rundbogen (der sich bei Erhalt des Buches als ausgestanzt erwies) sieht man den titelgebenden Drachenbaum und beim genauen Hinsehen eine wegrennende Frau, was Spannung verheißt. Klappt man den Umschlag auf, findet sich auf der Innenseite eine skizzierte Karte von La Palma, die die von außen sichtbare Drachenbaumszene enthält.

Ein sehr schön gemachtes Cover, das meiner Meinung nach gut zum im Klappentext beschriebenen Inhalt des Buches passt.

Abschnitt 1

Wow. in dieser Geschichte wird Tempo vorgelegt. Zum Glück gibt es ja die Übersicht über die handelnden Personen - im ersten Drittel traten ja schon einige auf, sei es in Augsburg, auf La Palma hier und damals oder auch noch der eine oder andere zwischendurch.

Mir gefällt, wie man en passant immer mehr zu den Hauptpersonen erfährt, an manchen Stellen hätte meiner Meinung nach der innere Monolog aber auch gekürzt werden können. Auch muss man sich wohl, wie die Protagonistin Romy, damit abfinden, dass der Zufall hier reichlich gesteuert erscheint.

Ich bin gespannt, wie weit sich die beiden Zeitebenen noch annähern werden und auf welcher Seite sich die Protagonisten am Ende wiederfinden werden.

Abschnitt 2 (ab S. 179)

Hui, hier entwickelt sich ja eine heiße Liebesgeschichte. Aber irgendwie lässt sich Romy meiner Meinung nach doch sehr schnell um den Finger wickeln und vielleicht auch etwas über Gebühr von dem ihr präsentierten Reichtum beeindrucken. Ihre Figur bleibt für mich recht blass, hier hätte ich mir mehr Entwicklung erhofft.

Ich bin dann auch durchaus über Romys Ausbildung gestolpert - als promovierte Biochemikerin ist sie ja keine Ärztin, wird aber als Laborärztin benannt. Auch finde ich es unschön, wenn überprüfbare Fakten falsch sind - Bahrein gehört nicht zu den Vereinigten (Arabischen) Emiraten und hat daher auch nie den Präsidenten gestellt. Vielleicht ein Grund mehr, warum ich überwiegend Fantasy lese…

Iriomés Geschichte finde ich weiterhin sehr spannend, sie wird in diesem zweiten Abschnitt ja auch deutlich weiterentwickelt. Interessant wird es zu sehen, welche Parallelen noch ausgebaut werden - bei Lugo hätte ich da auch schon eine Idee :)

Es bleibt auf jedenfall spannend, wie die Geschichte nun im letzten Drittel zusammengeführt wird.

Abschnitt 3 (ab S. 344)

Wie ein roter Faden hat sich ja das gelenkte Schicksal durch den Roman gezogen - und im Schlussdrittel wird es nochmal ganz deutlich. Da es sich nicht um eine Problemgeschichte handelt und die Fortsetzungsbände ja schon geplant sind, kommt es zu einer Art „Happy End“ auf den letzten Seiten und mit dem (obligatorischen?) Kampf „Gut gegen Böse“.

Sowohl der reale als auch der historische Handlungsstrang werden meiner Meinung nach zu einem stimmigen Ende geführt - wenn auch der reale für mich vielleicht etwas weniger Schmalz hätte vertragen können.

Mir hat gut gefallen, dass eigentlich alle Realzeit-Nebenfiguren nocheinmal auftauchen, dadurch wirkt die Geschichte sehr abgeschlossen. Und die angefügte Vorschau auf den nächsten Band macht auf jeden Fall Lust, sich mit Amakuna weiter zu beschäftigen.

Nur beim lateinischen Vater unser (S. 433) hätte man sich vielleicht vor Drucklegung für eine Fassung (supersubstantialem oder cotidianum) entscheiden sollen. ;)

Gesamtbewertung

Das Buch hat mir in der Summe sehr gut gefallen - ich konnte es aber durchaus zwischendurch auch aus der Hand legen. Historischer Roman und Liebesgeschichte kann ich als Genre unterschreiben, der Thriller-Aspekt kam meiner Meinung nach etwas kurz - es wurde zwar immer wieder versucht, ein bedroht-sein-Gefühl der (Realzeit)-Protagonisten aufzubauen, echt fühlte sich das für mich aber nicht an.

Abgesehen davon wurde der Roman aber den Versprechungen des Klappentextes sehr gerecht, und wenn auch die Idee des Verwebens von historischen Ereignissen mit einem Realzeitgeschichte nicht neu ist (ich wurde hier durchaus an Das verlorene Labyrinth von Kate Mosse erinnert), war sie hier doch gut umgesetzt.

Und obwohl mir Iriomé, deren Geschichte in diesem Band abgeschlossen wurde, beim Lesen viel näher kam als Romy, bin ich gespannt, wie sich die Geschichte um den Pilz Amakuna in den Folgebänden weiterentwickelt.

Ein ganz besonderes Jahr

Thomas Montasser

Cover

Das Cover hat durch das Buch in der Hand einer Frau deutliche Beziehungen zum Inhalt, durch die hochformatige Verwendung eines querformatigen Fotos ist die Perspektive interessant.

Das Cover war für mich bei der Entscheidung für die Geschichte aber eher uninteressant - neugierig gemacht hat mich die Inhaltsangabe.

Abschnitt 1

Auch ich habe nun den ersten Teil abgeschlossen. Die Geschichte liest sich recht zügig, die beschriebene Buchhandlung weckt in mir die Lust, dort zu stöbern, aber in der Summe lässt mich der Text im Moment noch relativ kalt. Mich hält der Sprachstil auf Distanz zum Buch und bislang bin ich mit der Protagonistin Valerie auch noch nicht wirklich warm geworden, auch wenn ihr „mit einem Buch und einer Tasse Tee einkuscheln“ sie ja durchaus sympathisch macht. Insgesamt überwiegt aber die sehr nüchtern-betriebswirtschaftliche Beschreibung der Buchhandlung aus Valeries Sicht, als ob sie selbst sich gar nicht wirklich in den Bann der Bücher ziehen lassen will. Auch ihr Freund Sven ist für mich zu diesem Zeitpunkt noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Bin gespannt, wo uns die Geschichte noch hinführt.

Abschnitt 2 (ab S. 64)

Der Buchladen wird Valeries zweite (oder erste?) Heimat, aber Valerie selbst bleibt mir beim Lesen fremd. Auf der einen Seite knallharte Geschäftsfrau (Bank-Szene), auf der anderen Seite nach Wochen im Laden nicht darüber informiert, welchen Wert die vorhandenen Bücher haben? Dass Sven seinem Job den Vorzug gibt, kann ich auch nachvollziehen.

Bin gespannt, wie das Rätsel um Charlotte gelöst wird (in die Richtung scheint Valerie ja kaum aktiv zu sein), ob der Fremde, der nun „ein ganz besonderes Jahr“ hat, nochmal auftaucht und ob Noé seine Außenstände bezahlt.

Nett finde ich die eingstreuten Buchtitel - manche bekannt, manche noch auf dem SUB.

Abschnitt 3 (ab S. 124)

Unmerklich ziehen die Monate vorbei … unmerklich auch für den Leser, weil kaum etwas passiert. Valerie macht vorübergehende Bekanntschaften (der Schüler Timmi, der Bauarbeiter) und löst sich von ihrem alten Leben. Und als zum Schluss ihre Tante wieder zurückkommt, kann sie sich auch von ihrem neuen Leben lösen.

Das Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück - zum Einen, weil es für mich kein Roman, sondern eher eine Erzählung oder Novelle ist, zum Anderen, weil ich die Moralkeule am Ende doch etwas zu kräftig fand (inklusive Epilog mit dem Hinweis, dass es viele kleine Buchhandlungen gibt, die Kunden brauchen).

Lieblingsstellen

S. 47 „Literatur kann einen Menschen fesseln und seine ganze Aufmerksamkeit gefangen nehmen. Sie kann uns in andere Welten versetzen und uns der Beschwernisse des Alltags entheben, sodass wir ganz in ihr aufgehen.“

geschmunzelt habe ich bei der Formulierung auf S. 117: „Und während sie in die obskure Erzählung von zwei Landvermessern eintauchte [Thomas Pynchon: Mason & Dixon], trieb an der Oberfläche ein junger Mann davon, auf den wir im weiteren Verlauf dieser Erzählung ohnehin gut verzichten können.“

Und auf S. 135 ein Satz, den ich unterstreichen möchte: „Das Außergewöhnliche eines Buches befand sich im Innern“. (Anmerkungen zum Cover finde ich selten sinnvoll.)

Und schließlich auf S. 145: „Das Leben erweist sich manchmal als eine Ansammlung sich überschlagender Ereignisse, manchmal als ein wilder Wirbel kaum bewältigbarer Anforderungen, oft als Chaos, doch stets folgen die Dinge des Lebens einer ganz bestimmten Ordnung: Sie finden nacheinander statt.“

Gesamtbewertung

Meine Meinung kurz und knapp: Ganz nett.

Ich gebe zu, ich hatte eine deutlich aktivere Geschichte erwartet, nicht dieses „dahinplätschern“ der Erzählung. Thomas Montasser vermittelt die Liebe zum Lesen und den Zauber (alter und) kleiner Buchhandlungen, macht aber auch deutlich, dass es schwierig ist, mit einer Buchhandlung seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Aber Danke, dass ich hier mitlesen durfte - ohne die Leserunde wäre dieses Buch an mir vorbeigegangen.

Preiselbeertage

Stina Lund

Cover

Seit gestern (20.10.17) kann ich das Buch nun in die Hand nehmen - und im Original gefällt es mir deutlich besser als in der Abbildung, weil die titelgebenden Preiselbeeren mit einer Art Lack erhaben auf dem ansonsten schlichten Karton-Cover aufgebracht sind. Diese ansonst eher schlicht gehaltene Covergestaltung gefällt mir sehr gut, auch wenn - wie andere schon geschrieben haben - erst der Klappentext etwas zum Inhalt verrät. Da es dann in der Geschichte aber auch um ein Manuskript gehen soll finde ich die Gestaltung sehr passend.

Lektüre, Teil I (S. 1 - 135)

ch bin dann endlich auch zum Lesen gekommen - und gleich vorweg: Das Buch liest sich gut, die Geschichte ist durch die Rückblenden interessant aufgebaut (als Leser weiß man schnell mehr als die Protagonistin Ariana) und der familiäre Hintergrund, dessen Geheimnis wohl im Laufe der Geschichte gelüftet werden soll, ist mal ein ganz anderer.

Die Handelnden teilen sich deutlich in zwei Gruppen: Ariane und ihre Großeltern Margarethe und Benno in Leipzig, Ina (Arianes Mutter), Jolante (Arianes Schwester) und Viggo in Söderby, Schweden. Alle treffen sich bei Jörg Bentheims Beerdigung (Inas Mann) - und schnell wird deutlich, dass einige Risse durch diese Familie gehen.

In den Rückblenden (im ersten Abschnitt 1986-1988) wird Inas Geschichte erzählt - wie es dazu kam, dass sie mit Jörg 1988 nach Schweden gekommen ist. Diese Rückblenden vermitteln schon einigen Hintergrund, wodurch dem Leser die Distanziertheit zwischen Mutter und Tochter erklärbar ist (und das enge Verhältnis von Ariane zu ihren Großeltern) - nicht aber Ariane, da sie diesen Teil ihrer eigenen Geschichte wohl nicht weiß.

Etwas irritiert hat mich, dass sich zwischen Viggo und Ariane ein Verhältnis anzubahnen scheint, nachdem Ariane zurück nach Söderby gegangen ist - und dass das von Jolante, über die Viggo zunächst vorgestellt wird, überhaupt nicht kommentiert wird. Aber vielleicht weiß Jolante ja auch, dass Viggo wohl ihr Halbbruder ist?

Interessant bleibt, ob das verschwundene, aber im Testament erwähnte Manuskript noch auftauchen wird - vermutlich lüftet es all diese Familiengeheimnisse, wozu Ina noch nicht bereit zu sein scheint. Vielleicht hat sie es ja auch?

Auch ist ja schon deutlich geworden, dass Margarethe und Benno der Stasi gegenüber willig sein mussten, um Ariane zu behalten und ihr das Schicksal Kinderheim zu ersparen - hier liegt vermutlich auch der Grund der Distanz von Ina zu ihren Eltern.

Ich bin gespannt, wie viele Vermutungen sich im zweiten Lebensabschnitt schon klären lassen.

Inhaltlich war mir nicht bewusst, dass es auch zu DDR-Zeiten eine Fährverbindung von Sassnitz nach Schweden gab, ansonsten spiegelt der Roman das DDR-Lebensgefühl aus meiner Sicht (aufgewachsen im westlichen Zonenrandgebiet mit einigen Kontakten nach „drüben“) gut wieder.

Lektüre, Teil II (S. 136 - 231)

So viele verletzte Gefühle, so viele Verlierer, so viel schlechtes Gewissen.

In den Rückblenden ist die Geschichte jetzt bis November 1989 erzählt, die Grenze ist offen, Ina ist nach Leipzig gefahren. Natürlich ein Schock, als Ariane erklärt, dass ihr im Kindergarten gesagt wurde, dass sie keien Mutti hat - aber etwas anderes wäre wohl kaum realistisch gewesen (und mir hat das kleine Detail gut gefallen, dass die DDR-Ariane von Mutti spricht, die Schweden-Ariane (am Anfang von Abschnitt 1) aber von Mamma).

In diesem Abschnitt wird deutlich, wie sehr Ina leidet - aber auch nur wenig bereit ist, Hilfe wegen ihrer Depression anzunehmen (denn auch,wenn es nicht explizit erwähnt wird, sprechen die beschriebenen Symptome meiner Meinung nach eine deutliche Sprache.

Einzelne Fakten sind jetzt auch Ariane klar - dass Jörg nicht ihr Vater ist, aber Viggos Vater, dass sie sich mit Jolante die Mutter teilt und Jolante mit Viggo den Vater. Ich bin gespannt, wie Ariane im weiteren Verlauf der Geschichte mit diesen Informationen umgeht - es scheint sie ja durchaus anzustacheln, jetzt ihr Familiengeheimnis zu lüften, auch gegen den Widerstand ihrer Mutter.

Ich finde es fast unvorstellbar, wie viel in dieser Familie von dem, was zumindest die Älteren wissen, nicht ausgesprochen wurde - wohl auch eine Nachwirkung der tiefen Trennung zwischen 1987-89 und dem wohl nie ganz verheiltem Bruch, die Stasi hat ihr bei Inas Eltern wohl zu einer tiefen Verunsicherung gegenüber ihrer Tochter geführt - und da die Wiedervereinigung weder absehbar noch Margarthe und Benno in einer Lage waren, dass sie sich Freiheiten erlauben konnten (zumindest, wenn sie Ariane nicht verlieren wollten), ist es nachvollziehbar, dass sich Inas Eltern der Stasi gefügt haben.

Ich vermute, dass sich Ina durch die nicht geplante Republikflucht durchaus als Verräterin fühlt - und dass dieses Gefühl ein Grund dafür ist, dass sie den Kindern gegenüber geheim gehalten hat.

Viel spannender finde ich aber mittlerweile die Rolle von Jörg - wie konnte er schon 1984 in Schweden gewesen sein? War seine Republikflucht auch ungeplant - hier habe ich so langsam meine Zweifel? Und wie erfährt Ina von Viggo?

Die Konflikte, denke ich, sind nach dem zweiten Abschnitt sehr deutlich geworden - ich bin gespannt, wie viel davon im Buch gelöst werden wird.

Lektüre, Teil III (S. 232-332)

Und dann kam Weihnachten.. Ich hatte ja schon vermutet, dass Jörg mehr mit der Republikflucht zu tun hatte als anfangs geschrieben - und die Abschlussszene am Grab, bei der es um Vergebung ging, hat mir gut gefallen.

Insgesamt ging mir im dritten Teil vieles zu schnell - die Schwangerschaft Arianes war zwar nach der Szene auf der Fähre absehbar, und die biologische Uhr tickte wohl auch schon, aber etwas mehr Zeit hätte ich Viggo und Ariane dann doch auch gegeben (wie ja auch einige andere hier angemerkt haben).

Und so ganz kann ich auch das Verhalten von Inas Eltern nicht verstehen - bei der Beerdigung werden sie ja noch als durchaus distanziert beschrieben, da müssen sie doch aber eigentlich das Manuskript schon gelesen haben?

Die Aussöhnung zwischen Ariane, Ina und Inas Eltern zum Schluss war zwar ein sehr schöner Abschluss, ging mir dann aber doch auch etwas schnell. Auch verstehe ich nicht so ganz warum Ina das Manuskript so abgelehnt hatte - ihre Geschichte wird doch bestätigt, Jörg nimmt die Schuld auf sich? Hat Ina das Manuskript überhaupt gelesen?

Wie auch immer, ein sehr schöner, stimmungsvoller Roman (auch wenn mir das Schwedische etwas kurz kam), interessant erzählt mit Charaktären, die alle etwas Farbe bekamen, aber auch einzelnen dichterischen Freiheiten (als Westdeutscher konnte man erst ab Weihnachten 1989 ohne Visum in die DDR - Inas spontane Fahrt nach Leipzig im November wäre so wohl nicht ohne weiteres möglich gewesen).

Lieblingsstellen

Ich habe mir auch zwei Stellen markiert (und hier sind jetzt Spoiler enthalten):

S. 140: Ina ist in Schweden angekommen und hat in Herrn Nynquists Laden wieder eine Zukunftsperspektive gewonnen: „Wir müssen reden.“ Vor diesem Satz, das wusste Ina, fürchteten sich die meisten Männer mehr als vor einer Untersuchung beim Urologen, doch sie konte darauf keine Rücksicht nehmen. (Im Nachhinein ist es für mich nicht ganz verständlich, warum Jörg da dann bei Ina geblieben ist, schließlich wollte er doch ursprünglich zu Viggo und dessen Mutter?

S. 147: Ariane hat sich in Viggos Armen ausgeweint, und Viggo küsst sie: Sie kannte Männer, die hart küssten, die kalte Lippen hatten oder die merkwürdig schmeckten. Immer hatte sie bislang gedacht, dass das Küssen überbewertet wurde. Aber sie hatte auch geglaubt, dass es eben dazugehörte, wenn man mit jemandem zusammen war. So, wie eine Waffel zum Eis gehörte. Viele mochten die Waffel nicht, aber sie war nuneinmal da. Und dann schloss sie die Augen, öffnete ihre Lippen und ließ Viggo eintreten in ihr Leben.

Meinung zum Buch

Eine interessante Familiengeschichte, durch die Rückblenden auch stilistisch interessant erzählt und gut zu lesen.

In den Rückblenden wurde die DDR-Stimmung für mich sehr lebendig, im aktuellen Erzählstrang hätte ich mir neben den Zimtschnecken noch mehr Schweden gewünscht.

Die Charaktäre wurden meiner Meinung nach ausreichend beleuchtet,aber zu allen hätte ich auch gerne noch mehr erfahren - auch nach der weihnachtlichen Aussöhnung.

Ich freue mich, dass ich hier mitlesen durfte - ohne die Leserunde wäre das Buch wahrscheinlich nicht so schnell auf meiner Leseliste gelandet.

Grimms Morde

Tanja Kinkel

Wie gefällt Dir das Cover?

Das verwendete Papier des Schutzumschlags passt zur „alt“-Anmutung, die Schrifttype ist klassisch, Minuskel mit Gold und Isegrimm - stimmig und gelungen. Dazu passt dann auch der rote Einband des Hardcovers und das sich insgesamt durchaus wertig anfühlende Buch mit Lesebändchen.

Ich muss aber gestehen, dass ich den möglichen „dezenten Blutfleck“ auf dem Cover spontan eher mit (Siegel-)Wachs assoziiert hatte.

Lektüre, Teil I (Seite 1 - 153)

Auch wenn ich bislang leider nicht die gewünschte Lesezeit gefunden habe, melde ich mich dann auch mal kurz zu Wort. Von den ersten Rückmeldungen her hatte ich sehr schwere Kost erwartet, dann aber erleichtert festgestellt, dass mir der Schreibstil zum Glück sehr gut gefällt - die Zeit, in der das Buch spielt, wird für mich dadurch sehr stimmig lebendig.

Ich habe bislang Prolog und die ersten vier Kapitel gelesen und freue mich gerade sehr, mehr über Annette und die Gebrüder Grimm (die mir auch von den „Göttinger Sieben“ her bekannt waren) und überhaupt mehr über die postnapoleonische Zeit zu erfahren. Denn obwohl ich mittlerweile seit 14 Jahren in Münster wohne, war das erwähnte Königreich Westfalen bei mir noch eine Bildungslücke.

Die Charaktäre sind meiner Meinung nach schon jetzt gut gezeichnet und ich bin gespannt, wie sich der Roman weiterentwickelt, darum will ich aktuell auch noch keine historischen Hintergründe recherchieren. Aber der Text motiviert durchaus dazu.

Jetzt habe ich auch den ersten Leseabschnitt abgeschlossen - der zweite Mord ist passiert, Jacob Grimm steht im Fokus des Oberwachtmeisters, die Droste-Schwestern mit August sind ausgerechnet bei von Kern abgestiegen, und August hat sich, sehr zu seinem Ärger, beim Oberwachtmeister wohl eine Abfuhr geholt. Da sehe ich viel Potential für kommende politische Ränkespiele, denn das Ermittlungen in Adelskreisen schwierig werden, wurde ja schon angedeutet.

Lektüre, Teil II (Seite 154 - 280)

Auch ich habe nun den zweiten Leseabschnitt beendet - da ist ja einiges in Rollen gekommen. Wie schon einige geschrieben haben, gefallen mir die lebhaften Dialoge besonders gut, und die Beschreibungen der Szenen sind so detailliert, dass der Film im Kopf von ganz allein entsteht.

Es wird deutlich, was für ein Interessengeflecht auf allen Ebenen am Hofe herrscht - jeder versucht, sein Schäfchen in's trockene zu bringen, und das durchaus auch ohne Rücksicht auf andere.

Noch habe ich nichts recherchiert, sondern will den Roman ohne weiteres Hintergrundwissen auf mich einwirken lassen - und ich vermute mal, dass die für Annette traumatische Bökendorf-Geschichte wohl noch aufgeklärt wird, und vielleicht auch insgesamt nicht ganz unwichtig für die Geschichte ist, denn sie wird ja so oft wie die verschwundenen Bilder erwähnt.

Ich vermute, dass der Mörder am Hofe zu finden ist - und vermute, dass Annette und Jacob ihn herausfinden. Ansonsten bleiben ja auch noch genug Handlungsstränge, die hoffentlich noch geklärt werden: Annette/Straube, Jenny/Wilhelm, das weitere Schicksal der Grimms, ein eventuelles Umsturz-Komplott (da sehe ich den Sohn des aktuellen Kurfürsten sowie den Sohn der ermordeten Mätresse im Fokus - und vielleicht auch Wegener?). Bin gespannt :)

Aber im Gegensatz zu manchen würde ich annehmen, dass Annette auch heute noch anecken würde - denn „frech“, „vorlaut“ und „unbedacht“ wären ja auch heute keine Eigenschaften, die bei einer Frau so ohne weiteres akzeptiert werden.

Lektüre, Teil III (Seite 281 - 471)

Teil drei ist gelesen - und lässt mich sehr zufrieden zurück. Wie schon kommentiert wurde, sind alle Handlungsstränge aufgelöst, und die Reise nach Kassel hat ja für beide Schwestern auch das Ergebnis gehabt, dass sie ihre Schwärmereien hinter sich lassen konnten - schmerzlich für Jenny (auch wenn der Briefwechsel wohl weiterging), erlösend für Annette.

Die Ballszene zur endgültigen Aufklärung zu nutzen hat mich überzeugt, und Annette mit ihrem „manchmal unbedachten Handeln“ wäre es auf jedenfall zuzutrauen gewesen, die Initiative zu ergreifen.

Haxthausens Verständnis von Ehre hat Annette dann ja gerettet, das scheint aber das Verhältnis der beiden nicht wirklich verbessert zu haben, wie man aus den abschließenden Hinweisen zum Roman erahnen konnte.

Die Gebrüder Grimm haben für mich gegenteilige Entwicklungen im Roman durchlaufen - Jacob wurde mir immer sympathischer, Wilhelm dagegen eher weniger.

Alles in allem eine sehr runde Geschichte, die offensichtlich auf gründlicher Recherche basiert.

Lieblingsstellen

Ich habe mir mehrere Stellen markiert, die mir besonders gut gefallen haben:

S. 83 (Annette zu August): Ich würde ja gerne schweigen, August, aber dazu fehlen mir bei dir meist die richtigen Worte.

Und Jenny empfindet die Reise als „zwischen zwei Igeln eingeklemmt“.

S. 111 (Blauberg, innerer Monolog): „So ein junger Schreiberling musste andere junge Schreiberlinge kennen, aufrührerische Geister, denn junge Schreiberlinge waren eigentlich alle von Natur aus unzufrieden. Wer glücklich mit seinem Leben war, hatte es gewiss nicht nötig, Bücher zu verfassen.

S. 271 (Wilhelm, innerer Monolog und Unterhaltung mit dem Hilfspfarrer Dupont): „Als Jungen hatten er und Jacob auch alles gelesen, was ihnen unter die Finger kam, und hatten die Abenteuer der edlen Räuber in den Apenninen sogar nachgespielt. Je öfter man sie in der Schule ermahnt hatte, dass solche Lektüre junge Seelen verderbe, desto mehr hatten sie ihr gefrönt. Schließlich waren sie ihr entwachsen, aber Wilhelm glaubte immer noch nicht, dass ihm die Bücher je geschadet hatten, und der Hilfspfarrer tat ihm leid, weil er selbst einer so harmlosen Leidenschaft nur heimlich nachgehen konnte.“

„Seine Sympathie wurde allerdings geringer, als der Hilfspfarrer Dupont, kaum hatte Wilhelm sein Versprechen [Diskretion] gegeben, dazu überging, genau das zu tun, wozu sich so mancher Leser berufen fühlte: Nach einem ersten Kompliment zu seinen Schriften begann er zu erklären, was er alles anders gemacht hätte.

(Hervorhebungen von mir)

Deine Meinung zum Buch

Ich bin mit Halbwissen über Annette von Droste Hülshoff und über die Gebrüder Grimm in den Roman gestartet und habe mich gefreut, dass der Roman so einiges an offensichtlich gut recherchierten Details sowohl zu den Droste-Schwestern als auch zu den Grimm-Brüdern liefert.

Der Mord im Prolog liefert dabei den Grund für das Aufeinandertreffen der Geschwisterpaare und alles in der Geschichte fühlt sich beim Lesen sehr passend an, vor allem auch der Sprachstil.

Die Reflektionen von - vor allem - Annette und Jacob innerhalb der Handlung haben viel über die Zeit, in der der Roman spielt, offenbart. Also alles in allem auch ein Buch mit Lernfaktor.

Aus meiner Sicht sind alle Handlungsstränge im Buch gut abgeschlossen worden, was ja in Bezug auf den Mörder gar nicht so einfach war.

Danke, dass ich hier mitlesen durfte.

Träume, die ich uns stehle

Lily Oliver

Cover

Das Cover weckt bei mir die Assoziation „romantisch“ - und passt meiner Meinung nach in seiner Leichtigkeit zum Titelwort „Träume“ - den ich hier erstmal mit Tagtraum verbinde. Dass die Schrift erhaben gestaltet ist, sehe ich als weiteren Bonus an. Mir gefällt es.

Auf der hinteren Innenseite findet sich dann auch das Cover des ersten Buchs der Autorin - dass es von der gleichen Designerin gestaltet wurde, fällt sofort ins Auge.

Abschnitt 1 - bis S. 128

Wenn ich mir die bisherigen Beiträge so durchlese, bin ich wohl nicht die einzige, die erstmal mit der Geschichte warm werden musste. Ich gebe auch zu, dass ich von der Buchbeschreibung her eine etwas „seichtere“ Geschichte erwartet hatte - aber gut, dass es anders ist.

Der Prolog weckte bei mir den Eindruck, dass Thomas und Lara in der gleichen Szene ihren Unfall haben - dass sie im gleichen Krankenhaus sind, spricht ja eher dafür als dagegen. Auch, dass Thomas auf Laras Stimme reagiert, lässt mich erwarten, dass es eine gemeinsame Vorgeschichte gibt.

Dadurch, dass der Großteil der Geschichte konsequent aus Laras Sicht erzählt wird, erfährt man als Leser auch, wie es ist, wenn die eigene Wahrnehmung vielleicht nicht „normal“ ist - weckt bei mir aber auch die Frage, wie häufig man sich selbst vielleicht auch durch selektive Wahrnehmung beeinträchtigt.

Spannend finde ich es auch, wie Teile dessen, was Lara sagt, in die Gedanken von Thomas eingebaut werden.

Gut ist auch, dass Lara nun zum Ende des Abschnitts Thomas ganz offiziell besuchen darf - viel länger hätte das Versteck spielen wohl auch nicht funktionieren können.

Vermutlich wird es bis in den letzten Leseabschnitt dauern, dass man als Leser konkreteres zur Vergangenheit von Thomas und Lara erfährt (die offensichtlich ja beide recht große „Päckchen“ mit sich herumtragen) - es bleibt also spannend.

Abschnitt 2 - bis S. 266/270

Ich hab den zweiten Abschnitt dann auch abgeschlossen - und möchte mich den Skeptikern anschließen. Denn so „Liebesroman-Perfekt“, wie Lara ihre Erinnerungen beschreibt, scheint mir doch auch viel Wunsch dabei zu sein. Andererseits wird die Geschichte ja auch in den Thomas-Abschnitten passend weitererzählt. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass der letzte Abschnitt so romantisch weitergeht.

Die Idee mit dem kaputten Schloss hat mir gut gefallen, um Lara nach Isabelles Intervention weiter den Zugang zu Thomas zu ermöglichen - auch wenn da dann immer noch vermutlich einige wegschauen mussten. Ich bin sehr gespannt, was das eigentliche Zerwürfnis in Thomas Familie ausgelöst hat - der Lungenkrebs der Mutter selbst kann es ja eigentlich nicht gewesen sein. Aber wenn sich seine Schwester den Bruder lieber tot wünscht, muss es ja schon dramatisch gewesen sein.

Gut hat mir gefallen, dass Olesjas Geschichte schon eine Wendung erhalten hat, mit Jobe ist dann auch meiner Meinung nach ein eher undurchsichtiger Charakter dazukommen - zwischendurch hatte ich den Eindruck, dass er vor allem von Lara nicht erkannt werden will.

Trotz der Liebesroman-Szenen fand ich den zweiten Abschnitt deutlich spannender als den ersten - und erwarte für den dritten noch eine Steigerung, da es hier ja dann irgendwann „ans eingemachte“ gehen muss.

Zur Lesegrenze: Man könnte argumentieren, dass ab S. 267 die Szene vor dem OP spielt, wo Lara wieder auf Isabell trifft - ich empfand das aber doch eher zum zweiten Abschnitt zugehörig, da Isabelles Standpunkt auch vorher schon deutlich wurde.

Abschnitt 3

Der dritte Teil hat dann die erwarteten Antworten gebracht: Bei Jobe durfte man zurecht ein komisches Gefühl haben, denn er, und nicht Thomas, war Laras Freund (was ja auch die Skepsis in Bezug auf Laras Erzählungen bestätigt). Und Jobe versucht auch gleich wieder, Lara unter Druck zu setzen und ihr seinen Willen überzustülpen. Wie sich Lara aus der Situation zieht, hat mir sehr gut gefallen. Und dass sie die Begegnung anschließend nicht vergisst, zeigt, wie weit sie sich schon entwickelt hat.

Auch Laras Beziehung zu Sina wird geklärt - kein Wunder, dass Lara Sina erstmal unter „Gefahr“ verbucht hat, auch wenn Sina Lara ja nur helfen wollte (und Lara in der Situation mit Jobe dann ja auch indirekt geholfen hat) - nur war ja ihre Interaktion der Auslöser für das Ausbrechen von Lara aus der Situation mit Jobe, was dann ja zum Unfall führte.

In gewisser Hinsicht war es dann ja auch Laras Einfluss, der in Thomas Familie zu erstem „Tauwetter“ geführt hat, und so war es schön, dass Lara zum Schluss wieder Kontatk zu Thomas aufnehmen konnte.

Wie einige schon schrieben - ein gutes, realistisches Ende. Sowohl von der Beschreibung der Entwicklung, die Thomas geschafft hat, als auch von Laras Gedanken her.

Für mich hat das Buch damit einen guten Abschluss gefunden.

Lieblingsstellen

Zum einen die Stellen, wo das Klinikpersonal Lara hilft, ohne offiziell gegen Regeln zu verstoßen - das laute Sinnieren der Physiotherapeutin über das kaputte Schloss, das „Übersehen“ von Lara, aber auch das Verlieren des Zettels mit der Adresse der Rehaklinik zum Schluss.

Dann die Schlussszene, in der Thomas Laras Namen sagt, Laras Verwirrrung und Akzeptanz der Erklärung des Pflegers - das passte alles gut zusammen.

Überhaupt empfand ich die Szenen, in denen Lara für sich Erkenntnisse gewonnen hat, besonders intensiv.

Deine Meinung zum Buch

Ich hatte ja schon in der Bewerbung um das Freiexemplar geschrieben, dass das Buch eigentlich nicht in mein Beuteschema passt, mich der Klappentext aber neugierig gemacht hat. Und ich freue mich jetzt, das Buch gelesen zu haben, da meine Erwartung in Bezug auf einen Liebesroman zum Glück überwiegend enttäuscht wurde.

Ich empfand den Text über weite Passagen als sehr intensiv, so dass ich gerade am Anfang auch Pausen beim Lesen brauchte. Der Mittelteil war dann eher der befürchtete Liebesroman, das Ende hat aber alles wieder gut zusammengebracht.

Die Königschroniken - Ein Reif von Eisen

Stephan M. Rother

Auch dieses Buch war mal als Leserunde bei „Was liest du“ zu gewinnen - da hatte ich jedoch kein Glück. Aber dann ergab sich die Möglichkeit, das Buch als Wanderbuch zu lesen - und da ich die letzte der Liste bin, darf ich es behalten. Also doch irgendwie „gewonnen“. :)

Ich habe mir die in der Leserunden vorgegebenen Abschnitte markiert und notiere meine Kommentare entsprechend.

Cover

Der Buchumschlag ist schwarz gehalten, der Reihentitel fällt als erstes ins Auge. Als zentrales Emblem ist eine eisenfarbene Plakette mit der Weltesche, um die es auch in dem Roman geht, eingeprägt.

Für mich passt die Covergestaltung zum Genre High Fantasy, die düstere Gestaltung weckt bei mir auch die Assoziation, dass es eine eher düstere Geschichte mit vielen Kämpfen sein wird.

Abschnitt 1 - bis S. 122

Zunächst hatte ich den Eindruck, dass der Schreibstil etwas gestelzt war - aber nach kurzer Zeit empfand ich ihn zur Geschichte sehr stimmig und ich bin gut in die Erzählung hineingekommen.

Im ersten Abschnitt werden uns verschiedene Schauplätze vorgestellt, im Mittelpunkt steht dabei das Kriegsgebiet in den Hochlanden, in denen die Tiefländer bei einbrechenden Winter die letzten Stämme unter dem gemeinesamen Banner des schwarzen Ebers vereinen wollen. Dieser Teil der Geschichte wird in Teilen aus der Sicht des Kriegsherren Morwa („Hetmann“ der Tiefländer) und aus Sicht seiner unehelichen Tochter Sölva geschildert (eine der im Klappentext erwähnten zentralen Figuren).

Dann wird Pol vorgestellt, ein Taschendieb aus der Stadt Carcosa aus dem Reich der Esche, und schließlich Leyken, einer Wüstentochter, die es auf der Suche nach ihrer verschleppten Schwester Ildris in die Rabenstadt verschlagen hat, also in die Stadt, die in der und um die und mit der Weltesche entstanden ist.

Aus meiner Sicht ist die Geschichte nach dem ersten Leseabschnitt noch nicht richtig vorangekommen, sondern die ersten Kapitel haben erstmal die Welt der Königschroniken vorgestellt - und die Probleme, mit denen sich die Protagonisten herumschlagen. Sei es die noch ungeklärte Nachfolge des Hetmanns der Tiefländer, der seine schwere Krankheit vor seinem Tross zu verbergen versucht und sich nicht entscheiden kann, welchem Sohn er den „Reif von Eisen“ übergeben sollte, sei es der Aufenthaltsort von Ildris (wobei ich vermute, dass sie die Unbekannte ist, die im Lager der Tiefländer eingetroffen ist und nun die Jurte mit dem Hetmann teilt), sei es die Auflösung der Situation von Pol oder Leyken, die beide am Ende ihres jeweiligen Kapitels in Gefangenschaft geraten.

Abschnitt 2 - bis S. 248

Die Vermutung, dass es sich bei der Unbekannten um Ildris handelt, wurde bestätigt - und über Leyken wurde nun auch ein wenig von der Magie der Esche offenbart. Die Gesellschaft, die um die Esche entstand, scheint aber nicht die bestmögliche Gesellschaftsform zu sein, sondern eher nach „Brot und Spiele“ für die Massen und „Reichtum und Macht“ für wenige zu funktionieren.

Auch Pol treffen wir wieder - die Umstände seiner Geburt weisen ihm wohl eine größere Rolle in der Gesamtgeschichte zu. Hier wird es spannend, wie sich seine Geschichte weiterentwickelt, zumindest war die Entwicklung dieses Abschnitts die überraschendste.

Der größte Teil des zweiten Abschnitts spielt aber wieder im Hochland, in dem die Tiefländer immer noch Krieg gegen die letzte Gruppe Hochländer führen, die sich noch nicht dem Bündnis unterworfen hat. Morwa bemängelt zwar, dass sein Sohn Morwen für einen Anführer zu draufgängerisch sein könnte - er selbst schlägt Warnungen aber auch aus dem Wind und besteht darauf, den nächsten Kampf selbst anzuführen. Und der Abschnitt endet dann auch mit einer fast aussichtslosen Situation für Morwa, die Ildris und Sölva dann durch die Magie der Esche auch miterleben konnten.

Ich bin gespannt, wie die Handlungsstränge im letzten Abschnitt zusammenfließen - oder ob das erst im zweiten Band passiert.

Abschnitt 3

Zunächst - die Befürchtung, dass dieser Band die zentrale Frage nicht beantwort, hat sich bewahrheitet. Die Bedrohung (durch den Zorn der vergessenen Götter) wird zum Schluss zwar greifbar, aber ob die Protagonistinnen „das Land aus der Dunkelheit führen“ können, bleibt in diesem Band unbeantwortet.

Zumindest entscheidet sich Morwa noch für einen Nachfolger - aber wohl zu spät, um ein Zerwürfnis des Bundes noch zu verhindern. Leyken erfährt erneut, dass auch auf der Esche Bedrohungen existieren und spürt durch die Magie der Esche, dass ihre Schwester Ildris noch lebt. Und Pol hat sich auf den Weg zu den Göttern gemacht, um deren Zorn zu besänftigen.

Meine Meinung zum Buch

Alles in allem ein recht klassisches Fantasy-Buch was die Schlachten und die eher epische Erzählweise angeht, nicht ganz so klassisch vielleicht der Fokus auf drei starken Frauen. Mich hat die Geschichte zumindest soweit in ihren Bann gezogen, dass ich nun auch wissen möchte, wie es mit der Welt der Esche weitergeht und welche Rolle den Protagonistinnen darin noch zukommt.

Das doch sehr offene Ende, auch in Bezug auf die Leitfrage im Klappentext, lassen mich dann aber auch etwas unbefriedigt zurück - und der zweite Band verzögert sich.

Die Bücherjäger

Dirk Husemann

Cover

Ich empfinde die Covergestaltung als ansprechend und zum Inhalt passend - auch wenn das beschriebene Buch ja nur angekettet war, nicht durch die Kette verschlossen (wie das Cover annehmen ließe). Die Bindung wurde auch schon angesprochen - dadurch macht das Buch keinen „normalen“ Taschenbucheindruck, sondern kommt von der Optik einem gebundenen Buch näher.

Teil I - Seite 1 bis 152

Den ersten Teil habe ich gleich mal am Stück gelesen - ich bin gut in die Geschichte hineingekommen.

Die Anfangsszene machte schnell deutlich, dass der Roman in einer Zeit spielt, als es „den“ Papst nicht gab, und auch in einer Zeit, als die Päpste doch recht weltlich orientiert waren. Positiv fiel mir auf, dass (der Gegenpapst) Johannes XXIII. auf seiner Flucht noch Gedanken um die Sicherheit seines Schreibers Poggio machte (aus der Personentafel und den Rückblenden wird dann ja auch deutlich, dass er Poggio schon lange kennt). Der befand sich ja zur Zeit der Flucht mit dem (wie von anderen schon geschrieben) ungehobelt wirkenden Oskar von Wolkenstein auf einem Ritt zu einem abgelegenen Kloster, um nach antiken Schriften zu suchen. Mit Agnes wird, neben Poggio und Oskar, die nächste handelnde Person eingeführt (wenn auch etwas anachronistisch).

Die detaillierte Beschreibung der Szenen im Skriptorium - sowohl am Tag als auch in der Nacht - haben mir gut gefallen. Auch, dass die handelnden Personen durchaus erheiternde Wortwechsel hatten gefiel mir. Insbesondere Poggio wurde für mich dadurch schon recht lebendig.

Zum Ende des Abschnitts hat es Poggio zusammen mit Agnes und dem Folianten wohl gerade so geschafft, dem Mob zu entkommen. Ich bin gespannt, ob der Foliant den Weg zurück ins Kloster findet und inwieweit die Theorie um die 400 erfundenen Jahre weiter ausgeführt wird.

Teil II - Seite 153 - 287

Auch ich habe nun den zweiten Teil beendet - das ist ja ein ganz schönes hin und her.

Im Badehaus trifft Poggio auf den geflohenen Papst, seinen alten Bekannten / Freund (?) Baldassare. Agnes haut derweil mit dem Folianten ab - man trifft sich wieder im Kloster Beuron und findet unter gruseligen Umständen das zweite Buch.

Poggio wirkt bisher eigentlich auf mich wie der „nette Typ“, ist aber doch auch ganz schön skrupellos, wenn es um die Bücher geht, Baldassare dagegen ist wohl ein Haudegen. Und Agnes, die für Poggio Florentina ist, bleibt erstmal undurchsichtig.

Wolkenstein will seinen Bruder in Ungnade sehen und verspricht König Sigismund die Bücher - der stellt ihm dann die gewissenlosen Söldner (Schergen) Lämmerschling und Helmbrecht zur Seite. Hier würde es mich nicht wundern, wenn der Hintergedanke dabei ist, dass diese beiden sich, wenn die Bücher von Wolkenstein gefunden sind, der Bücher bemächtigen und sich Wolkensteins entledigen.

Und auch wenn alle sechs gleichzeitig im Kloster Beuron sind, lassen sich Wolkenstein und die Schergen dann doch durch die gruselige Szene am Grab vertreiben, und Agnes, Baldassare und Poggio können sich mit den Büchern davon machen.

Im dritten Abschnitt des Buches wird dann ja diskutiert, wie mit den Büchern zu verfahren ist - sowohl Agnes als auch Baldassare wollen sie nutzen, um Sigismund zu stürzen (Agnes aus Rache, Baldassare, um seine Pfründe zu sichern und einziger Papst zu werden). Poggio dagegen will die Bücher zum Kloster Sankt Fluvius zurückbringen - und sieht als einziger der drei den Wert des Lukrez-Textes im zweiten Buch (und die Gefahr, dass die Geheimtexte nicht nur den König stürzen könnten, sondern dass das ganze Machtgefüge dann durcheinander kommt).

Da weder Baldassare noch Agnes in der Lage sind, den Geheimtext freizulegen, kommt es zur Abmachung, das Lukrez-Original zu finden - ich bin gespannt, wie Husemann die Geschichte zum Ende führen wird, denn von Wolkenstein und den Kumpanen werden wir sicher noch lesen, und ob Agnes und Baldassare die nötige Geduld mitbringen werden, wage ich zu bezweifeln.

Teil III - Seite 288 - Ende

Auch ich habe den Roman nun beendet - der spontane Gedanke war „und das war es jetzt?“. Foliant gefunden - geraubt - wiederbekommen - weitergeschleppt - zweites Buch gefunden - drittes Buch gefunden - Buch 2 verloren, Buch 1 zurück zum Kloster - Buch 3 behalten ;)

Der dritte Teil war zwar schon noch spannend, hat mich aber irgendwie nicht mehr so gepackt (liegt vielleicht auch an der Hitze). Poggio zieht mit ganz viel Glück und auch Verstand den Kopf aus der Schlinge, Baldassare entkommt, Wolkenstein wird etwas geläutert, einer der Schergen bekommt seine Strafe. Und Poggio seine Agnes.

Ohne das letzte Stundenglas wäre der Roman nicht abgerundet gewesen, und die abschließende Erläuterung zu Historisch/Fiktion hat mir auch sehr gut gefallen (bei historischen Romanen finde ich so ein Nachwort wichtig).

Lieblingsstellen

S. 13/14 (Ritt durch den verschneiten Wald): Doch jetzt war es mit dieser geradezu heiligen Stille vorbei. Wolkensteins Stimme zerriss das Schweigen wie ein Lüstling das Gewand der Jungfrau. Wenn die angestimmte Weise doch nur die Schönheit der Natur gepriesen hätte! Wenn die Laute die stillen Baumstämme umschmeichelt und den Wald bedeckt hätten wie rieselnder Schnee! Doch die deutschen Worte schlugen wie Äxte in das winterliche Paradies.

S. 52 (im Refektorium, nach der Lesung versuchte Diskussion um die Verwendung des Holzes der heiligen Eiche): Nicht nach Wahrheit suchst du, sondern danach, deine Neugier zu befriedigen. [..] Neugier aber ist das Werk des Teufels. [..] Neugier ist ansteckender als die Pest.

S. 55: Im Skriptorium roch es nach Moder und Verwesung. Poggio kannte den Geruch und begrüßte ihn wie die Umarmung eines alten Freundes nach schweißtreibendem Ritt. „Widerlich!“ stöhnte Oswald. „Wie in einer Gruft.“ „Ein guter Vergleich“, flüsterte Poggio, „Es ist ja auch alles voller vertrockneter Häute.“

S. 65: Poggio ließ den Kopf auf das Pergament sinken. Fast berührte seine Wange das alte Leder. Dann blies er durch den hohlen Knochen eines Sperlings über eine golden bemalte Fläche. Der Luftzug ließ die Farbe auffächern. Dem Engel, an dessen Rücken zuvor nur zwei Kleckse zu sehen gewesen waren, wuchsen nun Schwingen.

S. 78: „Wenn sich der Text nicht vollends abschaben lässt“, erklärte Poggio, „überdeckt man ihn mit einem Gemisch aus Milch, Käse und Kalk.“ [..] „Effektiv und ewig. Jedenfalls solange niemand mit einem Messer daran herumkratzt.“

S. 141: Doch das Glück ist die Poesie der Frauen. Und Poggio war ein Mann.

S. 159 (im Badeschiff): Frauen, das hatte Poggio in Konstanz oft beobachtet, waren für deutsche Männer reizvoll, solange sie sich unterlegen zeigten. Ein Weib mit Mut und Beherztheit aber sorgte dafür, dass einem deutschen Galan die Absichten schrumpften.

S. 299: Unser Leben ist nichts weiter als eine schauderhafte Ödnis, ein verschlammter See, ein Land voller Dornengestrüpp, eine unfruchtbare Talniederung, ein Wald voller Bären, eine verunkrautete Wiese voller Schlangen und ein nutzlos blühender Garten ohne Frucht. Es liegt an uns, mehr daraus zu machen. Wir Menschen sind zu klug und kräftig, um die Natur einfach nur zu erdulden. wir haben die Mittel, sie zu enträtseln. Stellt Fragen! Glaubt nicht immer nur das, was man euch als Wahrheit verkaufen will!

S.399: Kronen, das wusste Wolkenstein, lasteten schwer auf den Häuptern und ließen darin kaum Raum für Gedanken, die sich nicht um die Person des Herrschers selbst drehten.

Meine Meinung zum Buch

Auch wenn ich nach Beenden des Romans das spontane Gefühl des „und das war alles?“ hatte, hat mich der Roman doch gut unterhalten.

Alles in allem eine runde, gut lesbare Geschichte, die ein Schlaglicht auf eine (mir zumindest) nicht ganz so bekannte Epoche wirft und das ausgehende Mittelalter wohl recht realistisch darstellt. Und zu den Büchern konnte man einiges lernen. Danke, dass ich mitlesen durfte.

Unter uns nur Wolken

Anna Pfeffer

Cover

Das Cover ist aus meiner Sicht zunächst einmal passend zum Titel gestaltet, mit all den Wolken (und vermutlich den drei Protagonisten). Und die fallenden Blätter passen meiner Meinung nach auch zum Thema der verloren gehenden Erinnerungen.

Die Figuren erinnern mich an 60er-Jahre-Illustrationen, also passend zu einer Hauptfigur, die im gestern lebt. Ansonsten gefällt mir das Cover - zurückhaltend und grafisch mag ich.

Teil I: Seite 1 bis 99

Der erste Abschnitt las sich zügig, der Schreibstil gefällt mir (ich habe von „Anna Pfeffer“ bislang nichts gelesen).

Mein Eindruck ist, dass Tom mit der Situation überfordert ist (auch hat er als „Nachtarbeiter“ in der Bar sicher nicht den richtigen Job, um sich um seinen tagaktiven Großvater zu kümmern), gleichzeitig fühlt er sich für den Großvater verantwortlich und will ihm das Leben in vertrauter Umgebung ermöglichen.

Florian, den Großvater, lernt man nur indirekt kennen - über die Interaktion mit Tom und mit Ani, die die Betreuung als Chance nutzt, aus ihrer eigenen, momentan sehr trüben Situation das Beste zu machen. Sie hat zwar keine Qualifikation, aber den Mut (und auch eine gewissen Alternavitlosigkeit) um sich dem Job zu stellen - und wie Ani wird dann auch der Leser ins kalte Wasser geschmissen. Was spielt Florian, was ist echt? Offensichtlich ist Florian geschult darin, die psychischen Schwachstellen des gegenübers schnell zu erkennen und nutzt diese gnadenlos aus. Aber noch hält Ani gegen, mal sehen, wie lange das gut geht.

Laut Klappentext wird es ja eine Wendung geben, jetzt bin ich gespannt, wie die zustande kommt. Und ob sich Toms Eltern durchsetzen werden, dass Florian nicht mehr in der Wohnung leben kann.

Teil II: Seite 100 bis 201

Nach dem ersten Teil wollte ich gleich weiterlesen, um - so meine Hoffnung/Erwartung - was noch passiert, bis die im Klappentext beschriebene Annäherung erfolgt.

Florian steigert sich hier deutlich um Anika zu zermürben - wodurch nicht nur Anika, sondern auch Tom an seine Grenzen gerät. Doch nicht nur Tom, auch Florian hat sich schon etwas an Anika gewöhnt, und so wagen sie einen zweiten Versuch, der von Florian aber auch sofort wieder torpediert wird - mit einer Aktion, die alles dagewesene toppt. Doch diesmal zahlt es Anika ihm mit gleicher Münze heim, und hieraus ergibt sich dann doch eine erste, wohl echte Annäherung der beiden. Zwar ohne Versprechen auf Dauerhaftigkeit - aber da darf man gespannt sein, wie der zu erwartende Druck von außen (Toms Eltern) sich auswirken wird.

Und zum Abschluss des Abschnittes wird dann auch der Titel mit der Geschichte in Zusammenhang gebracht - auch hier darf man vermutlich noch weiteren Inhalt erwarten.

Ich freue mich schon auf den dritten Abschnitt - auch wenn sich wohl nicht nur Florian und Anika, sondern wohl auch Tom und Anika näher kommen dürften. Warten wir es ab :)

Teil III: Seite 202 bis Ende (Seite 288)

Der letzte Abschnitt war dann auch schnell gelesen - von meinem Eindruck her nimmt die Beziehung von Tom und Ani in diesem Abschnitt immer mehr Raum ein, auch wenn Tom über weite Strecken weiter sehr ruppig Ani gegenüber bleibt, aber auch immer wieder von Anis „Rehaugen“ spricht

Für Florian wird durch den Besuch eines alten Freundes im Pflegeheim die Heimunterbringung konkret vorstellbar und Ani zeigt, dass sie auch gut als Kellnerin arbeiten kann.

Und dann kommt noch Watson ins Spiel (der verschwundene Hund von Tom) - und selbst die auf dem Friedhof vermisste Kette wird nochmal aufgegriffen.

Das zusammenfügen der Fäden und die quasi Happy-End-Auflösung kam mir dann fast etwas zu schnell, ich hätte erwartet, dass das Thema Heimunterbringung noch konfliktbelasteter wäre als es hier dann gelöst wurde (inkl. Finanzierung, denn zwischendurch wird ja erwähnt, dass Florians Rente gerade mal für die Raten des Kredits für die Wohnung reicht - das hatte mich schon etwas gewundert, da ich davon ausgegangen war, dass die Wohnung längst abbezahlt ist - bleibt offen, ob nur Toms Eltern vermögend sind).

Ob der Abschluss in Bezug auf Tom und Ani nun wirklich realistisch ist, bleibt dahingestellt - aber im Rahmen des Romans passt das Ende für mich gut.

Lieblingsstellen

Für „Lieblingsstellen“ ist die Thematik vielleicht doch zu schwerwiegend - aber bemerkenswerte Stellen gibt es doch:

S. 7, Tom: Das einzige, was bleibt, ist der Geruch von früher, dieser Geruch voller Erinnerungen…

S. 69, Ani: Es sieht merkwürdig und ungewohnt aus, wenn er lächelt, fast wie wenn man ein Möbelstück verrückt, das vorher woanders stand und dessen Anblick einem jetzt völlig seltsam erscheint.

S. 127, Ani: Das ist eines der Dinge, die ich beherrsche: ruhig wirken, selbst wenn meine Gedanken laut durcheinanderschreien.

S. 153, Ani: Einfach mal losgehen und so tun, als hätte man ein Ziel, einfach mal losgehen und nicht heulen, einfach mal unterwegs sein auf dieser Reise durch das Leben, das dich immer wieder in Situationen bringt, von denen du dachtest, dass du sie doch endlich auch mal hinter dir lassen könntest.

S. 189, Tom: Das Kinderkriegen war auch nur so ein Projekt, bei dem sie den Arbeitsaufwand nach dem Meilenstein 'Geburt' deutlich unterschätzt haben.

S. 208: Deine Barkarte hat überhaupt keine Bilder. - Ist nur für Leute, die lesen können.

S. 269: Manchmal muss man loslassen, damit die Menschen wieder zu einem zurückkommen.

Meine Meinung zum Buch

Mir hat gefallen, dass der Roman das Thema Alzheimer eher leicht nimmt, und dass die Krankheit aus der Außenperspektive durch Tom und Ani dargestellt wird - so fühlte sich die Schilderung für mich „echt“ und nachvollziehbar an. Der Klappentext deutet ja auch an („Mag die Erinnerung auch gehen, die Liebe bleibt.“), dass die Liebe einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Roman liefert, da ist das Ende dann auch passend, wenn vielleicht auch etwas schnell.

Alles in allem kann ich der Einschätzung im Klappentext, „berührend und witzig“, nur zustimmen.

lesen/gewonnen.txt · Zuletzt geändert: 2019/01/05 14:56 von ahrens
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